Thema Nummer 3: Installation oder Dekoration?
Interviews mit Künstlerinnen und Künstlern, die zum IBA Kunst- und Kultursommer 2007 beigetragen haben - oder es bewusst unterlassen haben...
Interview mit Britta Peters / 10° Kunst: Wilhelmsburger Freitag
Interview mit Ulf Freyhoff und anderen vom Institut für Telenautik
Thema Nummer 2: Bürgerdialog - und dann?
Gefühlte Teilhabe oder echte Mitsprache? Diskutiert wurde aus gegebenem Anlass das Dialogverständnis der IBA-Organisatoren.
Beitrag von jvp vom 17.03.2008
Beitrag von Sigrun Mast vom 16.03.2008
Zur Einstimmung: Ein Erlebnisbericht von Ulrike Väterlein/institut.was
Am Mittwoch, den 05.03.2008 veranstaltete die IBA GmbH im Wilhelmsburger Bürgerhaus den ersten großen BÜRGERDIALOG in diesem Jahr. Großflächenplakate auf der gesamten Elbinsel hatten das Ereignis angekündigt, zudem waren alle Haushalte über Postwurfsendungen informiert worden. Die Öffentlichkeitsarbeit der IBA war, einmal mehr, sehr sehr professionell. Und trotzdem kamen nur die üblichen Verdächtigen. Plusminus zweihundert Menschen, geschätzt.
Dabei hatten Plakate wie Postwurfsendungen so vehement niedrigschwellig eingeladen. Fünfsprachig. Eindrucksvoll. Noch eindrucksvoller: Am besagten Abend waren sogar die entsprechenden Dolmetscher vor Ort: Türkisch, Französisch, Portugiesisch und Russisch. Die, nach allem was ich in Erfahrung bringen konnte, nicht wirklich zum Einsatz kamen, und genau damit hervorragend die Essenz dieser Veranstaltung versinnbildlichen:Die IBA zeigt: Wir tun ALLES, um den Dialog zu erleichtern. Wir geben euch Raum, wir hören euch zu, wir übersetzen. Barrierefreiheit – da hat sich jemand Gedanken gemacht. Nach der Begrüßung mit den Spitzenmännern auf dem Podium gibt es Gruppendiskussionen, die am Ende des Abends von netten Moderatorinnen noch einmal für alle zusammenfassend referiert werden, und die Spitzenmänner hören zu und nicken. Und dann, ganz am Ende, sagt Uli Hellweg, Spitzenmann der IBA GmbH, folgenden Satz:
„Vielen Dank für die vielen guten Anregungen, die uns zu denken geben werden.“
Und wir hatten die Teilhabe fast schon gefühlt. Thesen wie „Gentrification ist nicht per se schlecht.“ werden ernsthaft und qualifiziert diskutiert. Dass die Mieten gemäß einer von der IBA in Auftrag gegebenen Studie in Wilhelmsburg zwischen 2004 und 2007 bereits gestiegen seien, ist ein heißes Thema, und dass das nur im Sinne der IBA ist, die Investoren braucht, kommt auch auf den Tisch. Einige haben den Eindruck, die unterschiedlich bewertete Aufwertung sei bislang vor allem symbolisch. Es gehe mehr um die (Außen-)Wirkung als darum, dass sich für die Bewohner (mal abgesehen von ein paar neuen Cafés und leicht steigenden Mieten) tatsächlich etwas ändert. In der Tat, das neue Image ist auch beim Bürgerdialog wieder sehr zentral, es werden Bilder präsentiert, Bilder, Bilder, und noch mehr Bilder. Die mittlerweile schon gewohnte IBA-Medienflut. „Um Ihnen einen Eindruck zu vermitteln, haben die Planer mal ein paar Bilder produziert...“ heißt es vom Podium. Buntes Rauschen.
Herr Hellweg spricht von der „internationalen Stadtgesellschaft“, die in den erzeugten Bildern zum multikulturellen Statisten schrumpft. Sehr schön auch in diesem Zusammenhang, diesmal von Heiner Baumgarten/igs: „Der Wilhelmsburger Park soll das Bild der Elbinsel als Ort der Begegnung vieler Kulturen und des Zusammenlebens unterschiedlichster Menschen prägen.“ Das Bild prägen, ... und dann?
Doch zurück zum Eingangs-„und dann?“:
Bürgerdialog – und dann? Man konnte auf der Veranstaltung den Eindruck gewinnen, als ginge es vor allem eben um Symbolik, um den Dialog um des Dialogs willen. Ein Prozess der Auseinandersetzung ohne Einfluss auf die Bilder, die es ja schon gibt und die den Weg weisen in das schöne neue Wilhelmsburg. In den heiligen Schriftrollen der IBA-Konvention heißt es zum Thema Beteiligungskultur, dass „eine zukunftsorientierte Planungskultur nicht ohne Mitwirkung und Mitsprache der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der ortsansässigen Unternehmen möglich sein wird“ und dass „eine Planungskultur des Miteinanders (...) daher integrativer Bestandteil des IBA-Prozesses sein“ wird. Daher, d.h. weil es ohne sie eben nicht ginge. Heißt im Klartext: Mitwirken und Mitsprechen ist notwendig. Von Mitbestimmen und Einfluss nehmen ist keine Rede. Wenn das, was beim Bürgerdialog symbolisch abgelaufen ist, ernsthaft in Planungsprozesse umgesetzt würde, wäre das das Gegenteil von dem was in der IBA-Konvention einen Absatz tiefer als „innovative Planungsmodelle und Verfahrensregelung zur zügigen Entscheidungsfindung“ latent undemokratisch klingt, mit dem Ziel, den „vorgegebenen Zeitplan der Präsentationen der IBA Hamburg“ einzuhalten. Den wird ganz sicher niemand aus den Augen verlieren, auf dem Weg zu Realisierung der schönen Bilder, während die üblichen Verdächtigen heiß diskutieren, Herr Hellweg sich freundlich für die „vielen guten Anregungen“ bedankt, die ihm und seinem Team „zu denken geben“ werden, und alle anderen mit Luftballons in der Hand und bunten Bildern im Kopf IBA-seelig von einem Event zum nächsten hüpfen. Oder was meinen Sie?
Thema Nummer 1: IBAflüssig?
Auf diesen Seiten dreht sich alles um den Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg und die dortige Internationale Bauausstellung 2013.
Im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes "Metropole Hamburg - Wachsende Stadt" liegt dem Hamburger Senat offenbar die Aufwertung des bis dato eher durch Negativsschlagzeilen als sozialer Brennpunkt berüchtigten Stadtteils besonders am Herzen. Eine der Maßnahmen dieses Aufwertungsprojektes (man könnte vom Versuch einer "in-vitro-Gentrifizierung" sprechen) ist die von der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt ausgerufene Internationale Bauausstellung 2013.
Das Terrain für die geplanten städtebaulichen Projekte wird bereits seit dem Sommer 2007 von einem umfangreichen Kunst- und Kulturprogramm eingespielt, begleitet von einer massiven Marketingkampagne, für die die Werbeagentur Scholz&Friends verantwortlich zeichnet.
Zum Start dieser Diskussionsreihe möchten wir zur Diskussion des Domainnamens IBAflüssig aufrufen. Der Titel greift sowohl die Fluss-Insellage Wilhelmsburgs auf, als auch die "Überflutung" der Insel durch die Stadtplanung im Allgemeinen und durch die mannigfaltigen Kunst-, Kultur- und Werbemaßnahmen seit dem Startschuss zum "warm-up" der Internationalen Bauausstellung, und schließlich die Frage: sind diese Kampagne und die Ausstellung per se sinnvoll und wünschenswert, oder in dieser Art am Ende doch... ibaflüssig?!


